Blick durchs Mikroskop: Korrosionsprodukte als Artefakte

Im Zuge einer Verschleißuntersuchung eines geschädigten Kugellagers wurden Ermüdungsausbrüche innerhalb der Lauffläche eines Außenrings dokumentiert (Abb. 1).

Innerhalb dieser Ausbrüche finden bei höherer Vergrößerung zahlreiche, auffällig perfekt ausgestaltete Kugeln mit einer fein strukturierten Oberfläche (Abb. 2 und Abb. 3).

Abb.3 und Abb.4

In gewisser Hinsicht ähneln sie den in einem vorherigen Blogbeitrag gezeigten Schmelzperlen in einer Kugellagerlauffläche, welche eine Folge von Stromdurchschlägen waren. Unter Zuhilfenahme der EDX-Analyse wird jedoch klar, dass die Kugeln im Gegensatz zu den Schmelzperlen einen erheblichen Sauerstoffanteil aufweisen (Abb. 4).

Form und Zusammensetzung dieser Erscheinung lassen nur den Schluss zu, dass es sich bei den Kugeln um einfache Korrosionsprodukte ( = „Rost“) handelt, die nachträglich innerhalb der Ermüdungsausbrüche entstanden sind, und somit für die eigentliche Verschleißuntersuchung irrelevant sind.
Diese Artefakte sind ein gutes Beispiel dafür, dass bei Werkstoffanalysen auch immer die Frage nach der Echtheit von Befunden überprüft werden muss.

Bei weiteren Fragen zu ähnlich gelagerten Fällen helfen unsere Fachleute des ExpertCenters unseres akkreditierten Prüflabors gern weiter.
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Die Abbildungen im Einzelnen:

Abb. 1: REM-Aufnahme eines Ermüdungsaus-bruches in der Lauffläche eines Kugellagers


Abb. 2: Auffällig rund ausgebildete Erscheinungen innerhalb des Ausbruches
Abb. 3: Bei den oberflächlich fein strukturierten Kugeln handelt es sich um nachträgliche Korrosion
Abb. 4: EDX-Analyse einer Kugel bestätigt Korrosion über sehr hohen Sauerstoffanteil
Korrosionsartefakt

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